Über das Thema Zivilcourage kann man heute sicher in vielfältigster Weise philosophieren – Angriffe von Jugendlichen in der S-Bahn mit gravierenden gesundheitlichen oder gar tödlichen Folgen, kameraüberwachte
Parkhäuser oder Schutzpersonal in den Bahnhöfen aus Angst vor Übergriffen, Verbalattacken auf unbescholtene Passanten, dazu immer wieder Diebstähle unterschiedlichster Art … Die Liste der Nachrichten erscheint endlos. Ebenso endlos sind auch die Diskussionen über die Ursachen solcher Übergriffe und die Maßnahmen, sie zu verhindern oder zumindest zu reduzieren.
Ein wesentlicher Aspekt im Zusammenhang mit Angriffen dieser Art ist die
Zivilcourage, die das Umfeld und die direkte Umgebung oft nicht an den Tag legen, wenn sie mit Überfällen und Diebstählen konfrontiert werden. Ebenso häufig erlebt man aber auch Fälle von bewundernswerter Zivilcourage, die mit Sicherheit dem einen oder anderen Betroffenen das Leben, die Gesundheit oder zumindest das Eigentum gerettet hat.
Worin aber können die Gründe liegen, nicht genügend Zivilcourage zu zeigen, sondern bei Überfällen oder Diebstählen eher wegzusehen statt einzugreifen und zu helfen? An erster Stelle steht vermutlich schlicht die Angst der Umstehenden, man möchte mit solchen Fällen nichts zu tun haben. Schließlich besteht die Gefahr, dass man sich den Unmut des Angreifers oder des Diebes zuzieht und damit selbst zum Opfer wird. Auch ein gewisses Unbehagen kann die Ursache sein, wenn man im Zusammenhang mit einem Diebstahl mit der Polizei zu tun bekommen, denn das möchte in der Regel niemand – und sei es nur, weil eine Zeugenaussage benötigt wird. Die Frage nach mangelndem Interesse und einer zunehmenden Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft gegenüber Mitmenschen darf man gerade im Zusammenhang mit dem Begriff der
Zivilcourage auch bei Diebstählen sicher stellen – und kann nahezu endlos darüber diskutieren. All diejenigen aber, die bei Diebstählen eingegriffen und damit Zivilcourage an den Tag gelegt haben, strafen all diese Vermutungen Lügen und zeigen, dass es auch in unserer heutigen schnelllebigen und hektischen Zeit noch anders geht, dass es sehr wohl Menschen gibt, die anderen völlig uneigennützig helfend zur Seite stehen.
Ganz besonders im Zusammenhang mit Diebstählen stellt sich aber die Frage nach der Notwendigkeit von Finderlohn. Wurde beispielsweise die Kreditkarte gestohlen, dann kann
Finderlohn Sinn machen, wenn er dazu verhilft, dass man sie von einem ehrlichen Finder zurück erhält. Selbstverständlich ist die Kreditkarte unabhängig davon sofort nach der Entdeckung des Diebstahls zu sperren, damit kein Missbrauch damit getrieben wird bei dem die Frage der Haftung kritisch beurteilt werden kann. Die Höhe des Finderlohns hängt ganz sicher maßgeblich auch von den finanziellen Verhältnissen des Betroffenen ab, allerdings darf gerade bei einer
sehr hochwertigen und exklusiven Kreditkarte durchaus die Vermutung angestellt werden, dass mehr Finderlohn auch mehr hilft… Letztlich bietet gerade eine schwarze Kreditkarte oder eine Platinum Karte des einen oder anderen Anbieters eine ganze Reihe von zusätzlichen Vorteilen, die mit Geld kaum zu bezahlen sind und die zeigen, dass es sich bei dem Bestohlenen um einen gut situierten Menschen handelt. Deshalb kann bei dem Verlust der Kreditkarte durch Diebstahl ein Finderlohn sinnvoll sein, obwohl es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, einen solchen Fund auch ohne Finderlohn zurück zu geben.
Grundsätzlich ist Finderlohn vermutlich gerade bei Dingen angebracht, die dem Bestohlenen sehr wichtig sind, die eine gewisse subjektive und ideelle Bedeutung für ihn haben, die Außenstehende vielleicht kaum ermessen können. Wenn es dem Betroffenen sehr wichtig ist, das gestohlene Eigentum wieder zurück zu bekommen, dann führt vermutlich kaum ein Weg am Finderlohn vorbei. Er zeigt eben auch, dass das gestohlene Gut einen hohen Wert für den Betroffenen hat und kann damit ein Grund mehr sein, das Diebesgut zurückzugeben, wenn man es in die Hände bekommt. Damit muss man der
Zivilcourage vielleicht das eine oder andere Mal etwas auf die Sprünge helfen.