Zivilcourage ist eine Angelegenheit die ausnahmslos alle Menschen angeht. Dabei wird vom Einzelnen nicht erwartet, dass er (oder sie) sich einer Übermacht im heroischen Kampf entgegenstemmt, sondern darum, für die gesellschaftlichen Grundwerte wie Freiheit und Solidarität einzustehen und diese bedingungslos zu verteidigen.
Zivilcourage bedeutet in erster Linie wach zu bleiben, die Bedrohung gegen die Menschlichkeit, gegen die Würde des Anderen, als solche wahrzunehmen. Dies bedeutet, in der Öffentlichkeit bewusst zu verkehren, sich der Situationen und Umstände in der unmittelbaren Umgebung mit den geschärften Sinnen aufzunehmen. Die kritischen Situationen, die eine rasche Reaktion und das Eingreifen erforderlich machen, können in jedem Augenblick entstehen.
Wurde die Bedrohung eines (oder mehrerer) Mitmenschen erkannt, so stellt sich jedem die intuitive Frage: Soll ich eingreifen bzw. soll ausgerechnet ich die Verantwortung übernehmen? „Die Sachlage ich doch nicht schlimm“, „die Angreifer machen doch nur Spaß“, „die anderen Anwesenden reagieren auch nicht“, „es liegt nicht an mir die Welt zu verbessern“, „ich kann nicht für alles die Verantwortung tragen“ oder „es soll sich die Polizei darum kümmern, sie sind doch dafür bezahlt“ sind nur einige Ausreden, die die möglicherweise fatale Untätigkeit eines Einzelnen innerlich zu rechtfertigen versuchen. Dabei gibt es nur eine sinnvolle und äußerst simple Handlungsempfehlung: „Mich einmischen und unter allen Umständen helfen“.
An einem konkreten Fall, in dem ein dunkelhäutiger Afrikaner von einigen Jugendlichen attackiert wird, kann die Vorgehensweise in einer kritischen Situation exemplarisch dargestellt werden. Die Fragen nach dem Ob und der Verantwortung brauchen Sie sich gar nicht zu stellen: Dafür tragen Sie als Mensch, als ein zivilisiertes Wesen die Verantwortung, die keinerlei Begründung durch ein irdisches Gericht oder eine soziale Norm bedarf. Sie sind für Ihren Nächsten verantwortlich.
Sofern es nicht offensichtlich ist, sollten Sie sich bei dem potenziellen Opfer (die Angreifer ignorieren) danach erkundigen, ob dieser Hilfe benötigt. Ist dies der Fall, müssen Sie unbedingt für die Aufmerksamkeit anderer Mitmenschen sorgen. Wenden Sie sich an die Passanten, diese sollen die Polizei rufen bzw. eilen Sie in das nächste Gebäude wie z. B. ein Restaurant oder zu einer beliebigen nahstehenden Gruppe und rufen lautstark nach Hilfe und Polizeieinsatz. Häufig genügt bereits eine erhöhte Aufmerksamkeit im Umfeld der Tat dafür, dass die Angreifer vom Opfer lassen und sich schnell entfernen.
Spielen Sie auf keinen Fall den Helden, denn Sie können nicht wissen, welche Gefahren auf das Opfer oder auf Sie selbst lauern. Falls die Angreifer hartnäckig bleiben und weiterhin versuchen das Opfer zu malträtieren, ist es von entscheidender Bedeutung mit der Präsenz einer schnell organisierten und couragierten „Schutzgruppe“ sowie mit den beschwichtigenden Parolen, die Täter so lange im Schach zu halten, bis die Polizeiverbände eintreffen und die Gefahr endgültig bannen.
Zivilcourage geht uns alle an, bleiben Sie nicht untätig. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und sorgen Sie dafür, dass die
Menschenrechte nicht von verblendeten und hasserfüllten Tätern mit Füßen getreten werden!